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Geschichte

Die Geschichte bis 1823
Die offizielle Geschichte von Landfort beginnt 1434 mit der ersten Nennung des adeligen Landguts in einem Dokument. In jenem Jahr vermachte Johan van Assewyn diesen Landsitz Diederick van Bronckhorst. Er hieß damals Lanckvoort, weshalb man glaubt, dass es hier an dieser Stelle damals eine durchwatbare Stelle oder Furt in der Oude IJssel gegeben hat. Diese herrliche Domäne liegt schon seit Jahrhunderten auf der niederländisch-deutschen Grenze. Bemerkenswert sind die ständigen Geldsorgen, die die Geschichte Landforts wie ein roter Faden durchziehen. Bis ins 19. Jahrhundert waren Insolvenzen und Geldmangel immer wieder aufs Neue der Grund für den Wechsel des Landsitzes von Hand zu Hand. Bemerkenswert ist auch, dass Landfort, trotz seiner Lage auf der deutsch-niederländischen Grenze, erst während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs den ersten ernsthaften Kriegsschaden erlitt. In allen vorangegangenen Jahrhunderten war meistens die Rede von Verwahrlosung durch die Eigentümer aus Geldmangel. Der eine konnte seine Schulden nicht bezahlen, der andere bekam Probleme dadurch, dass er oder sie Landfort nicht verkaufen konnte oder das Erbe aus Geldnot nicht annehmen konnte. Als der Landsitz 1610 im nahegelegenen deutschen Emmerich unter den Hammer kommt, zählt er rund sechzehn Hektar oder achtzehn Morgen Land. Zu dieser Zeit nannte man Landfort eine „Havezate“. Der Begriff „Havezate“ deutet darauf hin, dass es im Besitz eines Edelmannes war, also ein Rittergut war. Es gab damals Gräben, Wälle, einen Obstgarten, Fischgewässer und ein Jagdgebiet. Trotz der Tatsache, dass viele Adlige im Osten der Niederlande Großgrundbesitzer waren, sind sie in der Geschichte der Bewohner von Landfort nicht zahlreich vertreten. Regelmäßig war der Landsitz im Besitz des wohlhabenden Mittelstands oder im Besitz von Kaufleuten, unter denen sogar Amsterdamer waren.

Bauform
Früher sah Landfort anders als jetzt aus. Damals glich es mehr dem heutigen Schloss Biljoen bei Velp. Wie dieses Haus bestand auch Landfort aus einem rechteckigen Gebäude mit vier Ecktürmen, jeder von einem Helmdach bekrönt. Das Haus umringte ein Graben und eine Brücke führte zur Eingangstür. Es hatte einen Keller, zwei Etagen und einen Dachboden. Jede Seite hatte Fenster mit Läden und das Ganze datierte vermutlich vom Beginn des 17. Jahrhunderts. Möglicherweise waren Elemente eines früheren Hauses darin verbaut. So sah das Haus bis etwa 1823-25 aus. In diesen Jahren wurde alles grundlegend verändert und der Bau bekam seine heutige langgestreckte Form. Hierbei ist der zentrale Teil, auch Corps de Logis genannt, aufgegangen im neuen Haus. Noch heute kann man auf dem Dachboden von Landfort den alten Dachstuhl aus dem 16. Jahrhundert wahrnehmen. Auch gibt es noch den alten, nicht sehr tiefen Keller unter dem Gebäude, bei dem die mittleren Räum die ältesten sind.

Johann Alberg Luyken auf Landfort
Ab 1810 erwarb die Familie Luyken das beim deutschen Rees gelegene Schloss Sonsfeld-Wittenhorst, dessen grundherrliche Rechte Johann Albert erbte. Die Herkunft der Familie Luyken ist deutsch-niederländisch. Es wurde behauptet, dass der bekannte niederländische Grafiker Jan Luyken (Spiegel van het Menselyck Bedrijf – Spiegel der menschlichen Beschäftigungen) zu ihren Vorfahren gehört, aber dies ist nicht zweifelsfrei bewiesen. Nach jahrhundertlangem sorgenvollen Fortbestehen kam Landfort 1823 in den Besitz von Johann Albert Luyken (1785-1867) und der Landsitz wurde einer vollständigen Revitalisierung unterzogen. Luyken konnte diesen Ankauf dank einer Geldschenkung seiner 21 Jahre älteren Schwester, Stiencke Christina Waltmann-Luyken, vollziehen. Ihr Mann war Bankier, wodurch sie sehr vermögend war. Nach seinem Tod wollte die steinreiche (kinderlose) Witwe näher bei ihrer deutschen Familie wohnen, von der viele Mitglieder in der Gegend Landfort wohnten. Für die Schenkung stellte sie als einzige Bedingung, dass auch sie auf Landfort wohnen durfte und dass mögliche Einkünfte ihr zukommen sollten.

Johann Albert Luyken war das zehnte und jüngste Kind von Daniël Luyken (1733-1807) und Christina Gerdrutha Löhr (1742-1823). Sie gehörten zu einem vornehmen Kaufmannsgeschlecht aus dem deutschen Wesel. Nach seiner Gymnasialzeit praktiziert er als Augenarzt, Chirurg und Gynäkologe in Halle und Göttingen. Fester Bestandteil der Arznei-Ausbildung war das Studium der Botanik, welche später seine Passion werden sollte. Über Johann Albert macht eine Geschichte die Runde, die davon berichtet, dass er, nachdem er sich als Augenarzt an der Prinzengracht (Nr. 464) in Amsterdam niedergelassen hatte, von seinen Arztkollegen mit Tollkirschen (Belladonna) vergiftet worden sei. Er soll sich selbst vor dem sicheren Tod gerettet haben, indem er große Mengen Milch trank. Das Gift soll jedoch sein Gehör geschädigt haben, wodurch er nicht mehr im Stande war, Patienten zu behandeln. Ob Letzteres wahr ist, ist unbekannt, aber dass er taub war, ist eine Tatsache. Möglicherweise fachte dieses Handicap seine bereits bestehende Liebe für die Botanik weiter an. Nachdem er mit seiner Großcousine Christina M.B. Luyken (1797-1849) die Ehe geschlossen hatte, ließen sie sich auf Landfort nieder, wohin auch seine älteste Schwester zog. Später verheiratete er sich neuerlich mit Emma C. Viebahn (1822-1898). Hier starb er 1867, woraufhin Landfort überging auf seinen Sohn Albert Gustav Hermann Luyken (1856-1933)

Ankauf von Landfort
Am 27. Juni 1823 gab Johann Franz Baron von Motzfeld, der Schloss Hardenberg bewohnte, das höchste Gebot für Landfort ab, aber im definitiven Versteigerungszuschlag wurde Johann Albert Luyken Eigentümer des Landgutes. Er bot ƒ 20.798.05. Während des Bietverlaufs der Versteigerung im Hotel van Dielen in Gendringen lenkte er die Aufmerksamkeit von seiner Person ab, indem er als einfacher Bauer gekleidet ging. Hierdurch ließ die Aufmerksamkeit der anwesenden Herren nach, weil man davon ausging, dass keiner der anwesenden Bauern sich Landfort erlauben würde können. Nachdem Luyken sein Gebot abgegeben hatte, fragte der anwesende Notar besorgt, ob der Bieter genügend Bürgen beibringen könnte. Hierauf soll Johann Albert nein gerufen haben und zugleich ein großes Bündel Geldscheine hervorgezogen haben, womit er den Ankauf in bar vollzog. Landfort war wegen der vielen wechselnden Eigentümer in schlechtem Zustand und das Landhaus hatte durch die früheren Umbauten bereits seine markanten Ecktürme verloren. Nachdem der Entschluss zum Umbau und zur Vergrößerung des Landhauses gefallen war, wurde der deutsche Architekt und Bauunternehmer Johann Theodor Übbing zur Hilfe beigezogen. Er führte viele Arbeiten für den Fürsten zu Salm-Salm auf der nahegelegenen Wasserburg Anholt aus.

Johann Albert befasste sich intensiv mit dem Umbau und der Ausweitung von Landfort. Dies umfasste unter anderem, dass die für Johann Alberts botanische Liebhabereien notwendigen Räume im Zuge der Anbauten mit eingerichtet wurden. Des Weiteren wurde das Haus deutlich vergrößert mit zwei leicht ausschwingenden Flügeln. Einzigartig für die Niederlande ist das Vorhandensein einer im Gebäudeinneren gelegenen Orangerie. Auf keinem einzigen Landsitz in unserem Land wurde ein derartiger innen gelegener Überwinterungsort für (sub-)tropische Pflanzen realisiert. Auch benannte Übbing in seinem Plan einen Raum als Brutraum, der vermutlich auch realisiert wurde. Sehr bemerkenswert war auch die Warmluftheizung im linken Teil des Hauses inklusive der Orangerie. Dies geschah mittels eines Ofens oder Kachelofens im Keller. Zum Schluss fällt im Entwurf auf, dass das Haus keine sogenannte Upstairs-/Downstairs-Einteilung kennt. Die Küche und die anderen Nutzräume befinden sich auf derselben Beletage, wo die Familie Luyken ihre Gäste empfing, wo die Bibliothek war und wo man dinierte oder Zigarren rauchte. An beiden äußeren Enden der Flügel befinden sich noch immer die Treppen. Eine von diesen läuft bis zum Dachboden hinauf. Auf diese Weise konnte das im Hause wohnende Personal seine auf dem Dachboden liegenden Räume erreichen.

Jan David Zocher Jr.
Neben der Einbeziehung von Architekt-Bauunternehmer Übbing, wurde auch Jan David Zocher Jr. zur Renovierung des Hauses und der Neueinrichtung des Gartens von Landfort hinzugezogen. Möglicherweise hat aus dessen jüngerer Bruder Karel George Zocher auf Landfort gearbeitet, aber was er dort genau gemacht hat, ist noch immer unklar, ebenso wie ihre Rollenverteilung untereinander. Aus dem Plan, den Übbing am Anfang der Arbeiten auf Landfort machte, wird deutlich, dass die frühere Einteilung der Ländereien rund um das Haus unter Nützlichkeitsaspekten stand und weitgehend geometrisch war. Es gab ein Tiergehege oder eine Menagerie, Nutzholzwälder, Holzwälle, Anbauflächen, einen Fischteich und Kanäle. Kurz danach wurde das Ganze umgeformt zu einer Landschaftsanlage mit gewundenen Pfaden, einem mäandernden Bächlein und sogar mit einem von Übbing entworfenen Taubenturm im sogenannten türkischen, ottomanischen oder maurischen Stil. Auch dieses Element ist für die Niederlande ein seltenes architektonisches Phänomen.

Botanische Vergnügungen
Luyken besaß auf Landfort eine umfassende Pflanzensammlung und hatte zuvor während einer langen Reise durch Europa ein umfangreiches Herbarium angelegt. Letzteres ist erhalten und kann auf Anfrage im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster besichtigt werden. Auch gab es eine große Bibliothek mit medizinischen und botanischen Büchern. Im Garten befanden sich etliche besondere Bäume, von denen nur noch wenige existieren. Die Stiftung Kulturerbe Landfort erwägt, den vielfältigen Reichtum an (Orangerie-)pflanzen wieder herzustellen und auch Baumsorten wieder anzupflanzen, die einst von Johann Albert auf Landfort in den Garten eingebracht worden waren. Um dies realisieren zu können, wird der Bau eines historischen Gewächshauses im Park erforderlich sein.

Obgleich Übbing einen Beitrag zum Gartenentwurf lieferte, scheint es, dass er in künstlerischer Hinsicht nicht ganz den anspruchsvollen Wünschen von Johann Albert Luyken genügen konnte. Nach der Vorstellung an Jan David Zocher Jr. durch einen Amsterdamer Freund besuchte ihn dieser im Sommer 1825. Im selben beginnen die Arbeiten auf Landfort. Der vielbeschäftigte Landschaftsarchitekt sollte für Landfort, wie schon für Baron Van Spaen auf Biljoen, eine sogenannte Vogelperspektivkarte anfertigen. In einem Brief an Luyken schrieben Van Zocher: „Was die Zeichnung des Hauses angeht, so ist diese noch nicht völlig fertig, doch hoffe ich, sie Euch bei meiner ersten Reise nach Gelderland von Arnheim zu senden oder möglicherweise gar selber zu bringen.“ Dies ist Indiz dafür, dass eine gewisse Zahl von unsignierten und undatierten Entwürfen für das Haus, alle im klassizistischen Stil, Zocher zugeschrieben werden können. Doch sind mehrere Elemente auf diesem Landsitz eher deutsch als niederländisch zu nennen. Die innenliegende Orangerie, die Heißluftheizung im Haus, die Insel mit den Familiengräbern und der orientalische Taubenturm sind Elemente, die häufiger bei unseren östlichen Nachbarn vorkommen als bei uns. Obwohl sie nicht ausschließlich deutsch sind, ist doch anzunehmen, dass Übbing, auf Bitten des in Deutschland aufgewachsenen Johann Albert Luyken, eine gebührende Rolle bei der letztlich gefundenen Formgebung des Ganzen spielte.

Taubenturm
Der Taubenturm kommt auf einem Entwurf vor, den Übbing für Landfort im Jahr 1825 machte. Darauf ist ein Taubenturm in orientalischem Stil bereits eingezeichnet. Praktisch diente er als Menagerie und es wurden dort Schwäne, Gänse, Hühner und anderes Geflügel untergebracht. In einer Beschriftung der Zeichnung ist zu lesen: „Ein zierlicher achtkantiger Turm, als Menageriegebäude, dazu mit Gitterwerk“. Dieser Taubenturm ist ein für unser Land einzigartiges Beispiel für eine Bereicherung des Gartens im sogenannten orientalischen, maurischen oder ottomanischen Stil. Er hat zugleich einige gotische und chinesische Elemente. Auf einer der Entwurfszeichnungen sind Pagodenglöckchen am Dachrand zu sehen, und ein zweites Dach mit einem eiförmigen Türmchen ist mit einem türkischen Halbmond bekrönt. Der oberste Teil des Turms scheint als Aussichtsturm gedacht gewesen zu sein. Solche nutzte man ehemals gern auf Landsitzen, aber hier folgte die Ausführung nicht ganz dem Entwurf und dieses Element wurde nicht realisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der schwer beschädigte Taubenturm zuerst zu einem mittelalterlichen Turm mit Dach restauriert, das später wieder verschwand und zu einer Art ruinöser Spielerei wurde. Ab dem Jahr 2000 wurde der Turm an Hand alter Entwürfe und Fotos restauriert und bekam neuerlich seine maurische oder ottomanische Ausstrahlung.

Die Brücken
Im Park befinden sich zwei Brücken. Beide sind ein Entwurf des Ingenieurs Carl August Wilhelm Luyken. In diesen Jahren bewohnte dessen Bruder Albert Gustav mit seiner Familie Landfort. Die hinter dem Parkgarten gelegene zierliche gusseiserne Brücke datiert aus dem Jahr 1872 und wurde in einer Eisengießerei zu Isselburg bei Anholt konstruiert. Damals war die Brücke mit Blattgold verziert und es stand auf ihr deutlich sichtbar „Landfort Anno 1873“ zu lesen. Diese Brücke bot den Bewohnern die Möglichkeit, ein hinter dem Haus gelegenes Waldstück zu betreten für einen Rundspaziergang oder einen Besuch des privaten Familienfriedhofs auf einer Insel an anderer Stelle im Wald. Zur selben Zeit wurde auch die robuste Zugangsbrücke entworfen. Bekannt ist, dass diese auf einer recht komplizierten aufwändigen Baukonstruktion lagert.

Der Zweite Weltkrieg und die darauffolgenden Jahre
Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Haupthaus schwer beschädigt. Das große Kutschenhaus mit den Pferdeställen und der Gärtnerwohnung brannte ab und der Taubenturm verfiel zur Ruine. Bald verschwand das Kutschenhaus gänzlich und es blieben nur die unterirdischen Fundamente bewahrt. Auch der Baumbestand auf der Hausinsel und im Park hatte in den letzten Kriegswochen schwer zu leiden. Nachkommen von Johann Albert Luyken bewohnten damals noch immer einen Teil des schwer beschädigten Haupthauses. Umständehalber war die Familie Luyken 1970 genötigt, Landfort mit einem Großteil der umgebenden Ländereien und Wälder (42 Hektar) an die Stiftung Het Geldersch Landschap zu verkaufen. Die Stiftung finanzierte 1980 eine Teilrestaurierung, bei der die Fassaden und die Dächer wieder hergestellt wurden. Auch wurde der Park angegriffen und die Grachten wurden ausgebaggert, der verschüttete Karpfenteich im früheren Gemüsegarten wurde erneut ausgegraben und Sichtachsen wurden wiederhergestellt.

Weil unklar war, was die zukünftige Bestimmung sein würde, wurde die Wiederherstellung des Interieurs zurückgehalten. Diese fand erst statt, nachdem die Stiftung Rhyngeest mit dem Architekten Bob van Beek 1998 gegen die Zahlung eines symbolischen Guldens, die Verpflichtung übernahm, Haus und Park zu restaurieren. Für seinen großen Einsatz zur Wiederherstellung und den Erhalt dieses historischen Landsitzes gebührt ihm hohe Wertschätzung. Nicht zuletzt wegen ihm ist Landfort erhalten geblieben. Der darauffolgende Eigentümer war Peter Rutten. 2017 verkaufte er Landfort an die Stiftung Kulturerbe Landfort (sEL).