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Category Archives: Nachrichten

Über den Französischen gewöhnlichen Knollenkümmel bei Huis Landfort in Megchelen

Im Jahr 2020 erhielt stichting Erfgoed Landfort (sEL) eine Geldsumme aus dem Artenschutzfonds Floron für den Erhalt des seltenen Französischen gewöhnlichen Knollenkümmels. Dieser Artikel berichtet, wie die Stiftung diesen finanziellen Beitrag gut verwendet hat.

Huis Landfort ist ein historischer Landsitz in Megchelen in de Achterhoek, nahe der deutschen Grenze. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1434 zurück, obwohl sein heutiges Aussehen aus dem Jahr 1823/27 stammt. Damals wurde das ursprüngliche quadratische Haupthaus in einen Ausbau aufgenommen, wobei das Haus Seitenflügel und ein neoklassizistisches Aussehen bekam. Auch das umliegende Gelände wurde nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Johan David Zocher jr. in einen Landschaftspark umgewandelt. Initiator dieser Metamorphose war der Augenarzt/ Botaniker Johann Albert Luyken. Seine Nachkommen lebten noch bis 1970 auf diesem Landsitz. 

2016 ging Huis Landfort in den Besitz der stichting Erfgoed Landfort (sEL) über und wurde mit einer groß angelegten Restaurierung begonnen, bei der der Landsitz restauriert, das Kutschenhaus wieder aufgebaut und der Gemüsegarten mit Obstwand und Obstgarten wiedereingeführt wird. Außerdem soll der Park wieder in seinem alten Glanz erstrahlen. Letztere Arbeiten begannen 2019 mit der Abstützung und Ausbaggerung des monumentalen Schlinggrabens. Ab 2021 sind viele besondere Bäume und Tausende von Stinsenpflanzen gepflanzt worden. Außerdem werden Blumenbeete in Form von Medaillons angelegt, wird eine bunte Parkbepflanzung eingeführt und werden Wege und andere Gartenelemente wiederhergestellt.

Französischer gewöhnlicher Knollenkümmel

Auf der Hausinsel von Haus Landfort, die von einem Schlinggraben umgeben ist, wächst eine Pflanze, die in unserem Land selten ist. Bei der Restaurierung des Parks wurde diese sorgfältig geschützt und erhalten. Es handelt sich um den Französischen gewöhnlichen Knollenkümmel (Conopodium majus); eine besondere Doldenblütlerpflanze, die bis zu 40 cm hoch wird und außerdem essbar ist. Huis Landfort erhielt den Floron-Zuschuss für die Erhaltung dieser Pflanze. Das Gewächs wurde wahrscheinlich in der Vergangenheit bei Huis Landfort eingeführt und ist zu einer umfangreichen Gruppe herangewachsen. Im neuen Stinsenbepflanzungsplan  wird der Französische gewöhnliche Knollenkümmel zusammen mit anderen Stinsenpflanzen an ihren früheren Platz zurückkehren.

Der Entwurf stammt von dem Landschaftsarchitekturbüro Debie & Verkuijl, das an verschiedenen Stellen auf der Hausinsel  Gruppen von Stinsen aufstellt. Vor und hinter dem Landsitz erhalten diese Gruppen die Form einer Schleife. Hinter dem Landsitz wird der Französische gewöhnliche Knollenkümmel zusammen mit dem Krokus (Crocus tomm), der Blauen Traube (Muscari botyoides ’superstar‘), der gewöhnlichen Vogelmilch (Ornithogalum umbellatum) und dem Schlangenlauch (Allium scorodoprasum) in die Stinsenschleife aufgenommen. Diese Artenkombination wurde von der Stinsenpflanzenexpertin Heilien Tonckens zusammengestellt, die auch andere kombinierte Gruppen von Stinsenpflanzen bei Huis Landfort zusammengestellt hat. Der Prins Bernhard Cultuurfonds würdigte diese Idee mit einem ordentlichen finanziellen Beitrag. sEL arbeitet nun an einer Broschüre mit Erläuterungen zu diesen Gruppen und wo man sie finden kann.

Verantwortungsvolle Konservierung

Es war ein beträchtlicher Prozess den Französischen gewöhnlichen Knollenkümmel unbeschädigt in den neuen Plan aufzunehmen. Dazu haben wir untersucht, wie tief die kastanienartigen Knollen normalerweise im Boden liegen. Dies stellte sich als etwa 10 cm heraus. Anschließend wurde der Boden vorsichtig bis in diese Tiefe abgeplaggt, wobei eine weitere Pflanze zum Vorschein kam, nämlich die Glockenblume. Diese Pflanze wurde an anderer Stelle wieder angesiedelt. Nach dem Abplaggen wurde der Boden mit den gewöhnlichen Knollenkümmeln  (im trockenen Zustand) vorsichtig ausgegraben und auf einem Haufen gesammelt. Dadurch, dass zuerst die Plaggen entfernt wurden, lagerte sich kein organisches Material im Haufen ab, so dass es nicht zu einer Verbrühung kommen konnte, die Verfaulung der Knollen hätte verursachen können. Nach dem Abplaggen und dem Abgraben konnte der Boden für das Anpflanzen der Stinsenschleife vorbereitet werden. Bevor der gewöhnliche Knollenkümmel im Frühjahr auslaufen würde, wurde die Erde mit diesen Knollen in die ausgegrabene Stinsenschleife, ebenfalls in einer Tiefe von 10 cm, eingebracht und anschließend mit Erde aufgefüllt. Die anderen Stinsenpflanzen wurden in den oben liegenden Boden eingefräst. Beim Pflanzen der anderen Stinsenpflanzen blieb die darunter liegende Bodenschicht mit dem gewöhnlichen Knollenkümmel unversehrt, da die Fräse nicht tiefer als 10 cm ging.

Kenntnis der Pflanze

Durch die intensive Arbeit mit dem Französischen gewöhnlichen Knollenkümmel  entdeckten wir, dass sich in der Bodenschicht auch eine große Anzahl kleiner Sämlingsknollen befand. Diese Sämlinge sind, im Gegensatz zu den älteren Knollen, schön rund geformt. Diese Sämlinge erhöhen die Überlebenschancen des  Französischen gewöhnlichen Knollenkümmels auf Huis Landfort erheblich.  

Auch dank der finanziellen Hilfe von Floron bekam  der Französische gewöhnliche Knollenkümmel  einen guten Platz im Park von Huis Landfort. Die Pflanze ist nun Teil eines bunten und ausgewogenen Ganzen, das der historischen Situation gerecht wird. Der Park von Huis Landfort war früher voller, bunter und hatte viele Arten.  Stichting Erfgoed Landfort ist auf dem besten Weg dies wiederherzustellen und dieses Projekt wird im Laufe des Jahres 2022 abgeschlossen sein. Dann können Besucher den historischen Gemüsegarten besuchen, den Park besuchen und wird der Landsitz für begleitete Gruppenführungen geöffnet sein. Für weitere Informationen besuchen Sie www.erfgoedlandfort.nl oder folgen Sie uns auf Facebook.

Crowdfunding Bäume für Huis Landfort großer Erfolg

Im November startete René Dessing, Direktor stichting Erfgoed Landfort (sEL), ein Crowdfunding um 50 Bäume für Huis Landfort erwerben zu können. Fünf Wochen später sind mehr als 50 (oft teure) Bäume gespendet worden. Dank dieser Aktion kann sEL den Park nun mit außergewöhnlichen Bäumen versorgen. Die Restaurierung des Landsitzes Huis Landfort in Megchelen muss 2022 abgeschlossen sein.   

Diese Baumaktion startete am 18. November 2020. Kurz vor Weihnachten bekam die Stiftung drei weitere Bäume geschenkt und es bleibt jetzt noch ein Baum übrig, nämlich eine kaukasische Zelkova. Neben Geld wurden auch neun Bäume in Form von Sachspenden zur Verfügung gestellt. Sechs davon waren ein deutsches Geschenk und die Baumpflegefirma Ormel bot die Verpflanzung und den Transport von zwei großen 20-jährigen Magnolien kostenlos an. Die Stiftung sammelte mit dieser Aktion gut € 40.000. Das Ergebnis der Crowdfunding-Aktion ist ganz im Sinne der Restaurierung, denn Huis Landfort hatte einst eine reiche Vielfalt an Bäumen. Diese wurden von der ehemaligen Besitzerfamilie Luyken gepflanzt. Von den vielen Bäumen, die sie gepflanzt hat, sind viele durch den Krieg oder durch ihr Alter verschwunden.        

Die Spenden variieren pro Baum von € 300,- bis € 2.500,-. Neben den am Bau beteiligten Architekten und Firmen gab es auch zahlreiche private Spenden. Aus Megchelen und  Umgebung wurden mehrere Bäume gespendet, aber auch aus anderen Teilen des Landes erhielt die Stiftung Geld. Ein Bekannter, der sogar in Italien lebt, schenkte zwei besondere Bäume. Sie wurden aus einer Vielzahl von Gründen geschenkt. Sieben Bäume sind eine Spende zum Gedenken an eine geliebte verstorbene Person. Davon wurden zwei Bäume von Menschen verschenkt, die wissen, dass sie in absehbarer Zeit sterben werden. Manche Bäume ehren einen Ehepartner, andere wurden als Würdigung für das Projekt Huis Landfort gestiftet. Ein Unternehmen verzichtete dieses Jahr auf Weihnachtswerbegeschenke und ließ seine Geschäftsverbindungen wissen einen Baum zu adoptieren.

Neben einer großen privaten Spende, Subventionen vom Staat und von der Provinz Gelderland und Spenden aus zahlreichen Fonds tragen nun auch Privatpersonen und Unternehmen zur Realisierung dieses besonderen Projekts bei. Die mehr als 50 Bäume werden dazu beitragen, die ursprüngliche Herrlichkeit dieses wunderschönen historischen Landsitzes an der deutsch-niederländischen Grenze zurückzugewinnen. Bei der Auswahl der Bäume wurde ihre Klimaresistenz berücksichtigt.

Artikel DDG

Auf Antrag der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) schrieben Pim Alofs und René Dessing einen Artikel angehend des Baumbestands auf Huis Landfort. Der direkte Anlass dazu ist ein Besuch einiger Mitglieder dieser deutschen sachverständigen Gesellschaft an Huis Landfort in 1928. Während diesem Besuch schilderte der Besuch, vorwiegend Männer, die etwa neunzig besondere, monumentale Bäume im kleinen Hof, het kleine Erf. In dem Artikel für die DDG wurde der Baumbestand verglichen mit dem heutigen Baumbestand. Es stellte sich heraus dass nur 10 von den etwa 100 aufgeführten Bäumen aus 1928 behalten geblieben waren. Dazu gehören die zwei imposanten Platanen beim Landhaus und die vier Sumpfzypressen neben dem rankenden Graben. Um das wiederherstellen zu können, hat die Stiftung die Aktion “schenk Huis Landfort een boom”  begonnen ( www.erfgoedlandfort.nl/bomen). Zum Dank für die Mühe des Schreibens bekommt sEL von der DDG zwei Magnolien geschenkt. Der Artikel wurde auf der Website veröffentlicht, wurde auf Deutsch übersetzt und ist auf unseren deutschen Seiten zu lesen.

Zählungen Besucher Landfort

Huis Landfort zieht immer mehr Besucher an. Es gibt Leute die hier gewohnheitsmäβig jeden Tag einen Spaziergang machen, mit oder ohne Hund. Es gibt auch viele Radfahrer, oft auf der Durchfahrt von den Niederlanden nach Deutschland oder umgekehrt. Wir waren neugierig um welche Anzahl von Leuten  is täglich ging. Deshalb wurden Zählungen  gemacht an einem Sonntag und zwei Wochentagen im September. Am Sonntag 13. September gab es ingesamt 623 Besucher. Am Dienstag der 15. September besuchten 305 Leute den Park, die Hälfte weniger im Vergleich zum Sonntag. Donnerstag der 17. September war ein auβergewöhnlich warmer Tag, mit 32 Grad. Das war wohl der Grund weshalb fast alle Besucher am Morgen kamen und die Endanzahl halbiert wurde zu 153 Leute im ganzen. Die Stiftung geht nun davon aus dass es im Schnitt wöchentlich 500 Besucher (Radfahrer und Spaziergänger) gibt und um die 700 an Wochenenden. In den Sommermonaten wird die Zahl der Besucher höher sein wegen dem längeren Tageslicht. Die Abendbesuche und der kleine Eingang von der deutschen Seite wurden nicht mitgezählt.

Am 13. November besuchte die Familienstiftung Van Motman die sEL.
Gerrit van Motman war Eigentümer von Huis Landfort bevor Johann Albert Luyken den Auβenstandort erwarb. sEL besitzt ein Porträt von Van Motman dass nachher einen Platz bekommt in der neuen Einrichtung des Landhauses. Über die Person Van Motman wird in dem Buch vom Huis Landfort eine fesselnde Geschichte zu lesen sein.

Aktion Bäume

Da nun die Wiederherstellung des Gartens von Huis Landfort stetig vorankommt, kommt auch die Anpflanzung neuer Bäume in Sicht. Historische Landsitze wie Huis Landfort werden von jeher von einer reichen Sortenauswahl von Bäumen und Pflanzen gekennzeichnet. Dazu kommt das Johan Albert Luyken und seine Nachkommenschaft groβes Interesse hatten an Bäumen und Sträucher. Im Laufe der Jahre sind davon viele verschwunden. Mit dem Anbau von 50 besondere Bäume setzt die Stiftung sich ein für die Wiederherstellung der uralten Anwesenheit unterschiedlicher historischer Varietäten im Park. Um die Ausführung zu ermöglichen hat die Stiftung die Spendenaktion “schenke dem Huis Landfort einen Baum” begonnen. Mitte November wurde auf der Website eine Aktion gestartet wo Interessierte sich alle Bäume und Pflanzen ansehen konnten und spenden. Auf diese Weise können Leute die Huis Landfort wohlgesinnt sind, einen Beitrag liefern an dieses schöne und besondere Projekt. Für Unternehmen und Privatpersonen die einen Baum spenden wollen, gibt es die Möglichkeit ein Namensschild anfertigen zu lassen, dass bei dem Baum angebracht werden kann. Die Bäume woraus man wählen kann, sind unterschiedlich in Sorte, Gröβe und Preis. Man kann z.B. eine besondere Zuchtform wählen wie der Amerikanische Tulpenbaum mit weiβ/grünem Blatt. Weiter gibt es siebzehn Japanische Zierkirschen, mehrere Magnoliensorten und besondere Bäume. Mittlerweile wurden mehr als 20 Bäume gespendet, nicht nur von Einwohnern von Oude IJsselstreek oder Gelderland. Auch Leute aus Amsterdam oder sogar Groningen haben einen Baum gespendet. Und es gibt Leute die diese Chance benutzen um einen Erinnerungsbaum zu spenden. Wir laden Sie ein sich hier die Aktion anzusehen:  www.erfgoedlandfort.nl/bomen 

Fortschritt Kutschenhaus und Landhaus

Nun ist das Baugerüst abgebaut und die Farbe vom Gebäude ist deutlich sichtbar. Wenn später die Türen und Fensterläden angebracht sind, entsteht ein schönes Farbenspiel. Es wird schon besser sichtbar am Landhaus. Die Fensterrahmen wurden schon preusisch Blau angestrichen. Zusammen mit den hellgelben Fassaden und die crèmeweiβen Fensterrahmen entsteht ein überraschendes und angenehmes Zusammenspiel, dass nun einen ordentlichen Unterschied macht zur vorherigen Situation. Die Dachgaupen und Schornsteine wurden dunkelgrau angestrichen statt cremeweiβ. Diese Farbe paβt besser zum grauen Ziegeldach. Das Fronton der Fassade wirkt jetzt auffälliger und kontrastierender zum Ziegeldach. Die Farben wurden eingegeben weil sie erinnern an die Farben des Familienwappen der Familie Luyken, aber auch weil sie eine angenehme und einladende Atmosphäre  mit sich bringen.

Sowohl im Kutschenhaus als im Landhaus verschiebt sich die Arbeit von auβen nach innen. Die sogenannte Abbauphase hat begonnen. Das Verlegen der Leitungen, die Stuckarbeit, Fliesen legen, Holzverkleidung und anstreichen fängt jetzt an. Die Experten von Architektenbüro Bouwstra & Verlaan  betreuen den Projekt  des Interieurs, das erst in 2021 anfängt.  Die Arbeit an sowohl dem Kutschenhaus als dem Landhaus wird von den Fachkräften des Restaurationsbauunternehmens Hoffman ausgefürt werden.

Vision auf Landschaft, Natur und grüne Kerne

Stichting Erfgoed Landfort schätzt sich glücklich mit der (Konzept)Vision auf Landschaft, Natur und grüne Kerne die die Gemeinde Oude IJsselstreek hat aufstellen lassen. Diese Vision plant mehr Grün, Naturschutz auf landwirtschaftlichen Geländen und den Behalt vom typischen Coulissenlandschaft im Achterhoek. Auβerdem stimuliert die Gemeinde ihre Einwohner mehr Grün anzupflanzen. So schenkt die Gemeinde mit der Aktion “Platte raus, Baum drin” jeden Einwohner einen Baum. Huis Landfort und die Oude IJssel spielen bei dem Zustandekommen der Naturvision eine grundlegende Rolle. Hoffentlich wird der Gemeinderat die Vision unversehrt gutheiβen.

Fördermittel

In den letzten Monaten erhielt die Stiftung sehr regelmäβig Beiträge von Behörden, Fonds und  Privatpersonen. Zur Wiedereinrichtung des Gemüsegartens haben zahllose Fonds beigetragen. Eins der Fonds is der SBNL Natuurfonds.

sEL erhielt dieses Jahr eine erhebliche Subvention vom “Baron en barones Van Hemert tot Dingshof-Coldeweij-Fonds”. Der Fonds ist Teil des SBNL Natuurfonds und sie spendeten diesen Beitrag für den Gemüsegarten und insbesondere zum Ankauf der Obstbäume, Spalierfruchtbäume, Stauden, Kräuter und Stinsenpflanzen. Der SBNL Natuurfonds ist bekannt wegen den Einsatz zur Unterstützung von privater Natur- und Landschaftspflege, wobei dauerhafte Benutzung als Ausgangspunkt gillt. Er organisiert auch jedes Jahr die stets mehr beliebte Wahl für den Baum des Jahres. Im letzten Jahr war  der Maulbeerbaum von Etten-Leur der Gewinner. Es ist eine groβblättrige Linde im Zentrum dieser Gemeinde in Etten-Leur (NB).

Spalierobst

An der neu errichteten neunzig Meter langen Spalierobstwand im Gemüsegarten von Huis Landfort wird es neben einem Wandgewächshaus auch Spalierobst geben. Spalierobst war im neunzehnten Jahrhundert auf den Landsitzen weit verbreitet und entwickelte sich zu einem Pendant zum Hochstamm-Obstgarten. Während damals fast jeder Bauernhof einen Hochstamm- Obstgarten hatte, war  Spalierobst vor allem für die Gärten von Schlössern und Landsitzen bestimmt. Manche Bauern haben aber auch einen solchen Spalierobstbaum gegen ihren Bauernhof gestellt.  Im zwanzigsten Jahrhundert verschwand Spalierobst oft wieder durch das Aufkommen anderer Obstsorten und durch die Einführung von niedrigstämmigen Obstbäumen.

Spalierobst wurde von fachkundigen Gartenchefs in die wundersamsten Formen gebracht und dank intensivem Schnitt konnten die Bäume in der Form eines Fächers, Kandelabers oder an einer langen Schnur wachsen. Manchmal wurden sie zusammen mit einer Vielzahl von Obstbäumen zu einem Zaun oder einer Hecke geformt. Birnbäume wurden oft gegen einen Bogen geführt, wodurch eine Art Tunnel entstand. So etwas nennt man ein Berceau. Man kann sie auf verschiedenen alten Landsitzen in den Niederlanden finden und auch bei Huis Landfort werden wir ein solches Berceau im Obstgarten anlegen.

Bei der Auswahl der anzupflanzenden Obstbäume entscheidet sich die Stiftung für Halbhochstamm- und Hochstammbäume, die niedrig bleiben. Neben historischen Apfel- und Birnensorten werden Maulbeeren, Mispeln, Quitten, Pfirsiche, Pflaumen und Kirschen an der Obstwand und im Hochstamm-Obstgarten gepflanzt. Die dafür ausgewählten Sorten sind traditionell in Schlössern, historischen Landsitzen und Landgütern vielverbreitet oder haben auf andere Weise einen Bezug zu ihnen. Auf diese Weise werden auch im Obstgarten mit Hilfe von Geschichten Verbindungen zu anderen Landsitzen in den Niederlanden hergestellt.

Interview Marjan Wellink

Marjan Wellink (Breda 1960) arbeitet seit der Gründung der Stiftung Erfgoed Landfort (sEL) im Jahr 2017 als persönliche Assistentin von René Dessing, Direktor der Stiftung. Gleichzeitig ist Marjan für viele eine erste Ansprechperson, wenn man den Kontakt zur Stiftung sucht. Für diesen dritten Newsletter hat die Redaktion des Newsletters ihr einige Fragen gestellt. 

Wie ist es, für die Stiftung Erfgoed Landfort zu arbeiten, denn es ist nicht direkt ein durchschnittlicher Job?

„Es ist wirklich toll, hier zu arbeiten. Der Arbeitsplatz ist einzigartig, das Projekt ist einzigartig und es ist toll von Anfang an dabei zu sein. Ich gehe wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit. Wenn ich nach Megchelen fahre, sehe ich Rehe, Bussarde, Falken und Störche. Dann fängt mein Tag schon gut an. Die Arbeit bei sEL ist für mich das Kennenlernen einer neuen Welt. Durch die ganze organisatorische Arbeit muss ich mich mit allen Aspekten des gesamten Projekts auseinandersetzen. Das Team ist klein, wir arbeiten tüchtig, die Umgebung ist schön und es herrscht eine gute Atmosphäre – was will man noch mehr?

In Huis Landfort ist zur Zeit viel los. Sind Sie jetzt geschäftiger als je zuvor?

„Es gibt im Moment gleichzeitig eine Menge Projekte. Deshalb wird viel arrangiert, viel telefoniert und viel beraten. Im Moment kommt alles zusammen: das Haus, das Kutschenhaus, der Gemüsegarten und der Park. Alles muss aufeinander abgestimmt werden. Deshalb befinden wir uns in dieser Zeit in einer Art Hochphase. Ich habe jetzt mit vielen Parteien zu tun, wobei  alles gut aufeinander abgestimmt werden muss. Hinzu kommen noch die Corona-Maßnahmen, die alles anders machen als normal.“

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrer Arbeit für sEL?

„Was mir an meiner Arbeit am meisten gefällt, ist, dass ich in alles involviert bin, so dass ich alle Besonderheiten kenne und den ganzen Prozess hautnah miterlebe. Es fühlt sich sozusagen an, als ob es ein bisschen meins wäre. Es macht auch Spaß Treffen zu organisieren, z.B. für die Nachbarschaft und die Gemeinde oder den höchsten Punkt in kleinem Kreis zu feiern. Eigentlich die ganze Zusammenarbeit während des Projekts mit einem gemeinsamen Ziel.“ 

Wenn das Kutschenhaus Anfang 2021 fertig ist, wird das Büro dorthin umziehen. Freuen Sie sich darauf?

„Ich freue mich sehr darauf. Dort wird alles neu und schön sein. Aber ich werde meinen jetzigen Arbeitsplatz schon vermissen. (Das jetzige Büro ist ein großes Haus mit wunderschönem Garten, das gleich außerhalb von Haus Landfort liegt, Red.) Jetzt sehe ich badende Vögel und die Rehe, die im Winter am Fenster entlanglaufen. Das genieße ich jetzt sehr. Ein großer Vorteil des neuen Büros ist, dass ich direkt am Standort sitze und sicherlich den schönen Gemüse- und Blumengarten genießen werde“.